Filmriss 2023

Eröffnungsfeier und Sektempfang

Mittwoch 4.10.2023 | 18.30 Uhr

Begrüßung durch OB Alex Maier

Herrn Rudolf Schnauhuber der Klinikleitung des Christophbads Göppingen.

Get-Together mit Vertretern des MuSeele, des Staufenkinos, des Kommunalen Kinos Open End und des Kinoklubs K3.


  • SPK Komplex

    Mittwoch 4.10.2023 | 19.30 Uhr

    Regie: Gerd Kroske, D 2018, 115 Min., Dokumentation

    Regisseur Gerd Kroske nutzt Interviews und bisher unveröffentlichtes Archivmaterial, um eine eher unbekannte Geschichte aus dem Deutschen Herbst in den Siebzigern zu erzählen: Die Geschichte des Arztes Wolfgang Huber und seines Sozialistische Patientenkollektivs SPK, wegen dem er schließlich vor Gericht landete und den Ruf bekam, der RAF geholfen zu haben. Huber war dagegen, psychisch kranke Menschen nur hinter verschlossenen Türen zu verwahren. In seinem Patientenkollektiv in Heidelberg erprobte er neue Therapiemethoden und formulierte politische Forderungen. Darüber gerieten Huber, seine Frau und andere Mitstreiter erst mit der baden-württembergischen Landesregierung aneinander und mussten sich schließlich vor Gericht verantworten, in den von allen Seiten beinhart geführten SPK-Prozessen. „Wer sich für die Studentenbewegung und das SPK interessiert, dem sei ein Kinobesuch – unbedingt in der Gruppe – ans Herz gelegt. Bei den öffentlichen Vorstellungen hat sich nämlich gezeigt, dass der Film zu heftigen Diskussionen anregt, und viele Erinnerungen an eigene Sehnsüchte und Kämpfe weckt.“ Psychatrienetz

    Einführung und anschließendes Publikumsgespräch mit Prof. Dr. Christian Pross

  • Cheyenne – this must be the place

    Donnerstag 5.10.2023 | 20.00 Uhr

    Regie: Paolo Sorrentino mit Sean Penn, Frances McDormand, F, I, IRL 2011, 118 Min.

    In den 1980ern war Cheyenne ein Rockstar, doch nun fristet er ein zurückgezogenes und tristes Leben in Dublin mit Tiefkühlpizza und Aktienspekulationen. Sein sozialer Umgang beschränkt sich auf seine Frau Jane und das ortsansässige Gothic-Girl Mary. Nach dem Tod seines jüdischen Vaters reist er zu dessen Beerdigung in die USA und erfährt, dass dieser sein Leben darauf verwendet hat, seinen einstigen Schinder im Konzentrationslager Ausschwitz, Alois Lange, ausfindig zu machen. Cheyenne beschließt, das Lebenswerk seines Vaters zu vollenden und in einer Odyssee durch die USA den mittlerweile vergreisten Lange zu finden.

    „Cheyenne“ hat eine Menge zu bieten: virtuoses Kino-Handwerk mit unvergesslichen Bildern und origineller Ton-Kulisse, eine traurig-schöne Geschichte voller skurriler Figuren und Sean Penn wie man ihn noch nie gesehen hat.“ Filmstarts

    Einführung und anschließendes Publikumsgespräch mit Prof. Dr. Petra Beschoner

  • 4 Könige

    Freitag 6.10.2023 | 20.00 Uhr

    Regie: Theresa von Eltz, D 2015, 103 Min.

    Weihnachten, die Zeit der Besinnlichkeit und Freude, aber auch der großen Familiendramen – in vier Familien eskalieren die Konflikte kurz vor den Feiertagen und so finden sich die gänzlich verschiedenen Teenager Lara, Alex, Fedja und Timo über Weihnachten in der Jugendpsychiatrie wieder. Jeder hat seine ganz eigene Geschichte, seine ganz eigenen Sorgen mitgebracht und nun sollen sie diese ausgerechnet in dieser emotionsgeladenen Jahreszeit mit Hilfe des unkonventionellen Psychiaters Dr. Wolf akzeptieren und klären, um wieder zu ihren Familien zurückkehren zu können. Traurigkeit und Frust beherrschen zunächst die Stimmung der Patienten, die nicht nur mit sich selbst, sondern auch miteinander klarkommen müssen, doch dann entdecken sie langsam auch die guten Seiten ihrer ungewöhnlichen Situation. Für die vier Jugendlichen wird es ein aufreibendes, aber auch ein sehr bewegendes und vor allem ein unvergessliches Weihnachtsfest.

    Einführung und anschließendes Publikumsgespräch mit Dr. med. univ. Jan Beutler

  • A beautiful day

    Freitag 6.10.2023 | 22.30 Uhr

    Regie: Lynne Ramsay mit Joaquin Phoenix, 90 Min.

    Kriegsveteran und Ex-FBI-Agent Joe haut beruflich Mädchenhändlern auf die Schnauze. Gegen Geld rettet der grobschlächtige Hüne Frauen aus organisierten Sexringen. Wie eine unaufhaltsame Ein-Mann-Armee fällt er in die Verstecke der Kriminellen ein und drischt diese tot, sollten sie versuchen, ihn aufzuhalten. Gegen Aufpreis lässt er die Perversen manchmal sogar ein bisschen leiden. Privat legt Joe allerdings ganz andere Saiten auf. Der Schläger kümmert sich hingebungsvoll um seine senile Mutter, die er so gut es geht betreut und mit der er zusammenwohnt. Seine nächste Mission lautet, Nina, die Tochter des mitten im Wahlkampf steckenden Senators Votto, aus den Klauen der Menschenschieber befreien. Doch der Auftrag läuft aus dem Ruder und schon bald deutet sich eine Verschwörung im Hintergrund an. „Ein thematisch nur schwer erträgliches und auch vor brutaler Gewalt nicht zurückschreckendes, zugleich aber auch völlig gechilltes und radikal reduziertes Thriller-MoodPiece mit einem gleichermaßen zurückgenommenen und absolut dominierenden Joaquin Phoenix als Rachegeist – als hätte ausgerechnet Jim Jarmusch einen vierten Teil der „Taken“-Reihe inszeniert.“ Filmstarts

    Einführung und anschließendes Publikumsgespräch.

  • Jacky the wolf

    Samstag 7.10.2023 | 20.00 Uhr

    Regie: Tuki Jencquel, D, F 2023, 93 Min., Dokumentation – OmU

    Ihr Sohn filmt, macht Rollenspiele, fragt – die Mutter antwortet mit einer atemberaubenden Direktheit. Sie will sterben. Es fehlt ihr nichts, sie ist nicht krank, sie will einfach nicht noch älter werden, ein Pflegefall, dahinvegetieren. Sie will es selbst bestimmen, nächsten Januar also. Dann verschiebt sie den Termin. Ein Enkelkind kommt zur Welt, noch einmal Frühling erleben, Zeit verbringen. Langsam kommt sie hervor, ihre Geschichte: in China geboren, in Indochina aufgewachsen, traumatisiert. Intelligent sein und doch nicht studieren dürfen, Ehefrau gewesen zu sein, finanziell abhängig, eine Depression, dem Leben entfremdet. Das Ende bestimmen können als letzte Geste der Emanzipation. Nicht der Tod ist das Übel, sondern das Sterben.

    Einführung und anschließendes Publikumsgespräch mit Rolf Brüggemann und möglicherweise mit dem Filmemacher, der gleichzeitig auch der Sohn der Frau ist, die hier den begleiteten Suizid für sich wählt (zur Drucklegung noch offen).

  • Twin Peaks – der Film

    Samstag 7.10.2023 22.00 Uhr

    Regie: David Lynch, F, USA 1992, 135 Min.

    In Twin Peaks ahnt noch niemand etwas von den grausigen Ereignissen rund um den Mord an Laura Palmer, die wenig später über das verschlafene Örtchen hereinbrechen werden. Währenddessen wird in der Kleinstadt Deer Meadow die Leiche einer jungen Prostituierten gefunden. Die beiden mit dem Fall betrauten FBI-Agenten sind ratlos ob des seltsamen Verhaltens der Einwohner. Kurz vor dem Tod der jungen Frau besteht die Welt für sie nur noch aus dunklen Exzessen voller Drogen, Sex und Gewalt. Sie gerät in einen Strudel des Bösen, aus dem es kein Entrinnen gibt.

    Einführung und anschließendes Publikumsgespräch

  • The Virgin Suicides – Verlorene Jugend

    Sonntag 8.10.2023 | 20.00 Uhr

    Regie: Sofia Coppola, mit Kathleen Turner, USA 1999, 97 Min.

    Die fünf Schwester der Familie Lisbon wachsen wohlbehütet im elterlichen Haushalt auf und sind abgeschottet von sämtlichen Gefahren, die die erwachende Sexualität eines jungen Mädchens mit sich bringt. Ihre konservativen Eltern wollen die Mädchen mit allen Mitteln von ihren männlichen Altersgenossen fernhalten – sei es in der Schule oder in der Nachbarschaft. Dabei sind die gleichaltrigen Jungen von Gegenüber nicht viel anders als die meisten gewöhnlichen männlichen Teenager auch. Für sie sind Mädchen mystische, geheimnisvolle und unergründbare Wesen, was im Falle der fünf Lisbon-Schwestern aufgrund der erschwerten Zugänglichkeit im besonderen Maße zuzutreffen scheint. Eine Wendung nimmt diese Ausgangssituation nach dem ersten Selbstmordversuch von Cecilia, der jüngsten der fünf Schwestern, als diese sich die Pulsadern öffnet. 

    Einführung und anschließendes Publikumsgespräch mit PD Dr. Katharina Althaus

  • Die Überglücklichen

    Montag 9.10.2023 | 20.00 Uhr

    Regie: Paolo Virzi, mit Valeria Bruni Tedesci, I 2016, 116 Min

    Gräfin und Quasselstrippe Maria Beatrice Morandini Valdirana kennt sich bestens in der italienischen High-Society aus. Als sie sich in einen Verbrecher verliebt und sie daraufhin von der Justiz unter Arrest gestellt und zu einer psychologischen Behandlung verdonnert wird trifft sie in der Villa Biondi auf die junge Donatella, die in ihrer ganz eigenen Welt zu leben scheint. Bei ihrem gemeinsamen Arbeitsplatz in einer Gärtnerei ist dann ihre Chance gekommen – die beiden machen sich davon, dicht gefolgt von mehreren Psychologen. Auf ihrer Reise freunden sich die ungleichen Frauen zwischen bipolaren Glücksschüben, Manie und Zwang miteinander an, auf der Suche nach dem Glück in dem Irrenhaus namens Realität.

    „Das hinreißend gespielte Porträt zweier Freundinnen am Rand des Nervenzusammenbruchs ist mediterraner Balsam für die Seele.“ filmstarts

    Einführung und anschließendes Publikumsgespräch mit Dr. med. Karsten Henkel

  • Tics – mit Tourette nach Lappland

    Dienstag 10.10.2023 | 19.00 Uhr

    Regie: Thomas Oswald, D 2022, 94 Min. | Dokumentation

    Daniel, Marika und Leo wollen ihr Tourette erforschen. Regisseur Thomas Oswald begleitet die Drei in seinem Dokumentarfilm auf ihrer Suche nach neuen Behandlungsformen und einem Ort, an dem sie einfach sie selbst sein dürfen. Auf Anraten von Neurologen reisen die drei zu verschiedenen Forschungszentren. Sie befragen Ärzte und Therapeuten zu aktuellen Behandlungsformen. Zusammen mit Prof. Dr. Münchau und dem Psychiater Dr. Daniel Alvarez-Fischer geht die Reise weiter bis in die Inari-Region im Norden Finnlands. In der Weite der finnischen Wald- und Seenlandschaft können sie frei ticcen, ohne gesellschaftlichem Druck, Argwohn oder gar Sanktionen ausgesetzt zu sein. Sie machen Bekanntschaft mit den Sami und deren Sicht auf das Leben und deren schamanischen Ritualen. Und sie probieren eine neue Behandlungsform aus: Die meta-kognitive Therapie, in der die bewusste Lenkung der eigenen Aufmerksamkeit eine zentrale Rolle spielt. Die Chance auf einen selbstbestimmten Umgang des Trios mit dem Tourette scheint mit jedem Tag in Lappland zu wachsen.

    Einführung und anschließendes Publikumsgespräch mit dem Filmemacher Thomas Oswald und dem Promenadologen Frank Pfennig

  • Auf der Adamant

    präsentiert vom Kinoklub K3

    Mittwoch 11.12.2023 | 20.00 Uhr

    Regie: Nicolas Philibert, F, J 2023, 109 Min.

    Ein Gebäude auf dem Wasser; besser: ein Schiff, fest auf dem Boden. Das Adamant ist eine Tagesklinik auf der Seine, Teil eines Netzwerks psychiatrischer Kliniken in Paris, wo Patienten sich auf Gespräche und Workshops einlassen können, wo sie sein können. Nicolas Philiberts Dokumentarfilm erklärt nichts über diese Hintergründe, er zeigt einfach, was auf diesem Schiff der psychisch Verwundeten und Kranken los ist. Auf der Adamant war einer der Gewinner der Berlinale 2023.

    Einführung und anschließendes Publikumsgesprächs mit Oberärztin Barbara Weber und Ausstellung der Stuttgarter Künstlerin Ute Stechowsky-Göhringer zum Thema „Narrenschiffe“ sowie Schiffsskulpturen von Günter Rocznik